April 28, 2014, 1:24 p.m.

How much are you willing to pay for energy?

Ländliche Regionen werden durch strukturelle (Energie-)Probleme gespalten

 

Ganz Europa schaut nach Deutschland, wenn es darum geht, die Energieversorgung regenerativ bzw. nachhaltig zu machen. Nachhaltig soll hier bedeuten, den Zugang zu Energie gegen externe Einflüsse wie Wetterphänomene, Anschläge und bereits einsetzenden Ressourcenrückgang abzusichern sowie zugleich umweltschonender und damit für die nächsten Generationen zugänglich zu machen.

Nachdem die Bundesregierung 2011 den Wiederausstieg aus dem Wiedereinstieg in die Atomenergie beschlossen hat, schien der Weg zum Ausbau und Hoheit der "grünen" Energien geebnet zu sein. Doch neben der Streichung von Subventionen und dem steigenden Strompreis durch u.a. die Befreiung energieintensiver Unternehmen von der EEG-Umlage verfolgen die großen Energiekonzerne, den steigenden Energiebedarf neben Erdgas und regenerativer Energien auch durch die verstärkte Förderung von Kohle zu decken.

 

Braunkohletagebau in der Lausitz

Warum war der North-Eastern Transeuropa Caravan am Sonntag nun in Rohne? Hier endete ein Protestmarsch, der sich für den Abbaustop und gegen die geplante Umsiedlung der ansäßigen BewohnerInnen aus dem 18km² großen Gebiet rund um Rohne richtete. Initiator war das Bündnis Strukturwandel Jetzt - kein Nochten II. Dies wurde von anderen Organisationen und Parteien, wie BUND, NABU, Greenpeace sowie Bündnis '90/Grüne und DIE LINKE zusätzlich unterstützt.

Grund sind konkrete Pläne des in den neuen Bundesländern größten Energiekonzerns Vattenfall, das bereits bestehende Braunkohlegebiet Nochten (Nahe Weißenfels) um die Region Rohne zu erweitern. Die Genehmigungsverfahren sind bereits erteilt, so dass bis spätestens 2017 die ersten Bagger und Förderbänder in Betrieb gehen sollen. Etwa 2000 Menschen sind von dieser Erweiterung betroffen. Darunter auch viele Sorben, die zusätzlich die Zerstörung ihrer begrenzten kulturellen Güter beklagen. Nochten II ist kein Einzelfall. Größere und kleinere Gebiete der Lausitz wurden bereits in Braunkohletagebaus umgewandelt oder sind in Planung. Etliche wurden bereits wieder "renaturiert", d.h. nach dem Abbauende wird das abgetragene Gebiet entweder geflutet und es entsteht ein weiterer der vielen Baggerseen in der Region oder es wird der Natur wieder überlassen.

 

AnwohnerInnen gespalten

Die AnwohnerInnen sind gespaltener Meinung bezüglich des Braunkohleabbaus. Zum einen lockt Vattenfall mit Entschädigungszahlungen für die aufgegebenen Grundstücke. Leute, die die strukturschwache Region verlassen wollen, finden somit endlich einen Käufer. Allen anderen wird im näheren Umkreis eine neue Bleibe gestellt. Der Energiekonzern ist einer der wichtigsten Arbeitgeber und verspricht mit jedem neuen Tagebaugebiet weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Dies ist in einer Region mit etwa 20% Arbeitslosigkeit und wenig alternativen Ansätzen nicht unerheblich. Zudem kauft sich Vattenfall regelrecht das Wohlwollen etlicher Lausitzer, in dem der Konzern Sportvereine und Sozialprojekte fördert oder hilft, Kindergärten etc. mitzubauen. SpitzensportlerInnen revanchieren sich wiederum mit einem Bekenntnis Pro Braunkohleabbau. LobbyControl berichtete über den Ablauf solcher Imagekampagnen. Im Hinblick auf jährlich steigende Strompreise und der Unfähigkeit der Regierung diese an die (sinkenden) Börsen-Strompreise anzupassen, steigt die allgemeine Zustimmung zum Kohleabbau noch weiter.

 

Die betroffenen Menschen, die Braunkohletagebau ablehnen und ihr Haus nicht zwangsweise verlieren wollen, haben es somit schwer, da sie den strukturellen Problemen keine kurzfristigen Lösungen entgegen setzen können. Sie argumentieren, dass die meisten Arbeitsplätze an fremde Unternehmen und ArbeitnehmerInnen vergeben werden. Zudem ist der Abbau nur ein kurzfristiges Geschäft. Nach einigen Jahren ist das Gebiet erschöpft und die einstige Lebensgrundlage unwiederbringlich zerstört und die Arbeitsplätze mit ihnen. Darüber hinaus leben die BewohnerInnen der Region von nun an mit der Staub- und Dreckbelastung, die der Abbau mit sich bringt. Hinzu kommt die Unsicherheit, dass sie in ein, zwei Jahrzehnten erneut gezwungen sind, umzuziehen, da durch den Tagebau das Grundwasser ansteigt, so dass Kellerfundamente volllaufen. Für das Abbaugebiet werden die fruchtbaren Böden sowie die Flora und Fauna in eine riesige Wüstenlandschaft umgewandelt. Dadurch werden zwangsläufig auch alle anderen Lebewesen umgesiedelt oder zerstört. Vor dem Hintergrund des Wunsches nach "grüner" Energie und der Minderung des Kohlendioxidausstoßes ist die Schaffung weiterer Tagebaugebiete ebenfalls kontraproduktiv. Braunkohle besitzt die schlechteste Energiebilanz von allen Energieträgern und stößt zugleich am meisten Kohlendioxid in die Atmosphäre. Kostengünstiger ist die Kohleenergie auch nur, da sie wie die Nuklearenergie stark subventioniert wurde und weiterhin wird.

Lösungsansätze könnten gerade eine Umstellung auf dezentral geschaffene grüne Energien und die gemeinsame Forderung nach einem schnellen Umstieg bieten. Dies würde langfristig Arbeitsplätze vor Ort sichern und sogar neue schaffen, da Energie immer gebraucht wird. Insgesamt könnte damit auch ein Beitrag für eine sturkturelle Aufwertung der Region angestoßen werden.

Insofern leisten Initiativen, wie Strukturwandel Jetzt, einen wichtigen und sehr unterstützenswerten Beitrag im Hinblick auf ein gemeinsames Europa der Bürger und Bürger.

 

 

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